Fabian Sester: Wir schaffen hier eine echte ‚Bewegungslandschaft‘. Das Herzstück des ersten Bauabschnitts ist die Idee, das neue Stadion nicht als isolierten Funktionsbau in die Landschaft zu setzen, sondern es ganz natürlich in einen elf Hektar großen Naturraum einzubetten. Die Besonderheit am neuen Stadion ist die innovative Bauart in Kombination mit einem konventionellen Erdgeschoss aus Beton, das durch ein Obergeschoss in Holzbauweise komplettiert wird. Ziel ist es, regionale Holzmaterialien zu verwenden und den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten. Hierfür erhalten wir Fördermittel aus dem EFRE-Programm für innovativen Holzbau. Im Sportpark Süd verbinden sich zwei Welten: der professionelle Vereinssport und die freie Naherholung für alle Bürger*innen. Stellen Sie sich vor: knapp 300 neue Bäume, artenreiche, großzügige Wiesenflächen, die zum Verweilen einladen, während man gleichzeitig Sport treiben kann. Wir nutzen Obstgehölze, um die regionale Kulturlandschaft aufzugreifen, und schaffen Sichtachsen direkt in die Vorbergzone des Schwarzwaldes. Kurz gesagt: Wir bauen keinen reinen Ersatzbau für den Offenburger Fußball, sondern einen ökologisch wertvollen Begegnungsort, an dem sich Sport, Natur und Erholung auf Augenhöhe treffen.
Neben dem neuen Stadion wird es ein Trainingsgelände geben – gibt es da Besonderheiten?
Sester: Das Trainingsgelände besteht aus einem Funktionsgebäude, ebenfalls in Holzbauweise, welches die erforderlichen Räumlichkeiten für den OFV beinhaltet. Es war eine bewusste Entscheidung, die Funktionen von Stadion und Trainingsgebäude nicht in einem Gebäude zu bündeln, sondern klar und gut nutzbar zu entzerren und zu trennen. Die mit direktem Bezug an das Trainingsgebäude angeschlossenen Trainingsplätze werden auf dem neuesten Stand der Technik geplant und umgesetzt. Der aufgrund der hohen Trainingsintensität notwendige Kunstrasenplatz wird als unverfüllter Platz hergestellt, womit auf den Einsatz des ansonsten üblichen Füll- und Stabilisierungsgranulats verzichtet werden kann. Somit reduzieren wir die Belastung der umliegenden Flächen auf das absolute Minimum. Durch die großzügige Dimensionierung des Kunstrasenplatzes lässt sich dieser flexibel in zwei separate Trainingsfelder unterteilen, was die parallele Nutzung für bis zu vier verschiedene Teams oder Altersgruppen erleichtert.
Ausgestattet werden sowohl der Kunstrasen als auch der Rasenplatz mit einer Flutlichtanlage und einem Ballfangzaun, um den Trainingsbereich ganzjährig effektiv nutzen zu können. Die Trainingsfelder liegen im Übergang zur freien Landschaft im Süden. Der Übergangsbereich, bepflanzt mit großzügigen Streuobstwiesen, verbindet die Sportflächen mit den Obstbaumbeständen der anschließenden freien Landschaft. Um den Parkcharakter zu wahren, werden die Plätze durch Blühwiesen eingefasst. Dies dient nicht nur der Optik, sondern verbessert auch die ökologische Funktion des gesamten Areals.
Weitere Möglichkeiten, sich im Park aktiv zu beschäftigen, sind unter anderem mit der Calisthenics-Anlage gegeben. Wie kam die Auswahl zustande?
Sester: Die Auswahl der Calisthenics-Anlage war keine eigenmächtige Entscheidung der Stadtverwaltung oder der Planenden, sondern das Ergebnis einer Bedarfsanalyse bereits im Vorfeld der Wettbewerbsauslobung und eines intensiven Dialogs mit den Bürgern. Im Frühjahr 2022 haben wir eine gezielte Online-Beteiligung durchgeführt. Dabei war es uns wichtig, nicht nur den klassischen Vereinssport zu stärken, sondern auch Angebote für Trendsportarten und den ungebundenen Freizeitsport zu schaffen. Das Feedback war eindeutig: Die Offenburger wünschen sich einen Ort für alle Generationen, der auch spontanes Training ohne Vereinsbindung ermöglicht. Die Calisthenics-Anlage erfüllt genau diesen Wunsch – sie ist niedrigschwellig, nutzt das eigene Körpergewicht und ist rund um die Uhr zugänglich. Mit Fortschreiten der Planung wurde 2025 die Offenburger Calisthenicsgruppe in die detaillierte Planung der Anlage miteinbezogen und deren Wünsche wurden mitberücksichtigt. Außerdem fand eine Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen des Stadtlaufs statt, bei der die endgültige Ausgestaltung des zweiten Aktivpunktes mit Schwerpunkt auf ein Spielangebot für Kinder und Jugendliche festgelegt wurde. In Kombination mit der geplanten Finnenbahn und dem Bolzplatz schaffen wir so ein Angebot, das die aktuellen Bedürfnisse der Menschen in unserer Stadt widerspiegelt.
Wann rechnen Sie mit Abschluss des ersten Bauabschnitts?
Sester: Aktuell sieht der Bauablauf eine Fertigstellung im Sommer 2028 vor. Der offizielle Spatenstich im Mai 2026 markiert den Startpunkt für eine intensive Bauphase.
Und wie geht es dann weiter?
Sester: Nach der Eröffnung des Stadions 2028 ist noch lange nicht Schluss. Nach der Freigabe des neuen Haushaltes durch den Gemeinderat Ende April starten wir direkt mit der Planung für den zweiten Bauabschnitt, um die aktuelle Lücke hin zum Südring zu schließen. Die Parkfläche wird sich nach Abschluss dieser Maßnahme auf zirka 16 Hektar erhöhen und zusätzliche Aufenthaltsflächen sowie eine Skateanlage und zusätzliche Sportangebote für alle Offenburgerinnen und Offenburger bieten. Darüber hinaus wird eine Verbindung zwischen Sportpark und LGS-Gelände geplant und realisiert, um eine perfekte Anbindung an das neue Grün entlang der Kinzig zu erhalten.
Auch das Anlegen der Grünflächen muss koordiniert werden. Was genau wird gemacht und wie sieht der Zeitplan aus?
Sester: Da es sich beim Sportpark nicht um ein neues Gebäude mit einer kleinen Grünanlage handelt, sondern um eine große Parkanlage, in der auch zwei Gebäude gebaut werden, liegt der Schwerpunkt der auszuführenden Arbeiten auf der Erstellung der Grünflächen. Der erste Bauabschnitt wird hierzu in drei Teilabschnitte gegliedert, die bauzeitlich eng verzahnt realisiert werden. Wir erstellen große Wiesenflächen und pflanzen knapp 300 Gehölze und großzügige Strauchflächen. Mit den ersten Pflanzungen kann voraussichtlich zum Jahreswechsel 2026/2027 gerechnet werden.
Ein Wort zu den Kosten?
Sester: Für den ersten Bauabschnitt rechnen wir mit Nettobaukosten von 39,3 Millionen Euro.
Was ist für Sie als Projektleiter die größte Herausforderung?
Sester: Die größte Herausforderung ist das präzise Zusammenspiel der vielen Planungs- und Projektbeteiligten sowie die Einhaltung des Zeit- und Kostenrahmens. Wir bauen hier nicht einfach nur ein Stadion auf der grünen Wiese, sondern erschließen und realisieren eine komplexe Parkanlage mit vielen verschiedenen Anforderungen und Funktionen. Hier bin ich sehr froh, dass dies nicht nur ein Projekt des FB 5 ist, sondern dass wir eine breite Unterstützung innerhalb der Stadtverwaltung über viele Fachbereiche hinweg und durch unsere Planungsbeteiligten haben.
